Die (deutsche) Dermatologie und ihre Problematik mit dunkler Haut

Illustration von Abbysoul 


Die Dermatologie hat ein Problem mit dunkler Haut, die andere Bedürfnisse hat als helle Haut. Häufige Erkrankungen wie Akne, Leberflecken und Melanome manifestieren sich auf dunkler Haut anders als auf heller Haut. Dennoch sind Dermatologen darauf geschult, genau diese Erkrankungen auf heller Haut zu diagnostizieren.

Die Dermatologie als medizinisches Teilgebiet befasst sich mit dem Aufbau und der Funktion der Haut, der Hautpflege und Hautpigmentierung sowie mit der Diagnostik und Behandlung von Hauterkrankungen. Hautexperten wissen, dass sich die Pflege- und Behandlungsbedürfnisse von Menschen mit dunkler Hautfarbe von den Ansprüchen hellhäutiger Menschen unterscheiden. Allerdings lässt sich eine fehlende beziehungsweise lückenhafte Repräsentation dunkler Hauttypen in der Dermatologie feststellen. Sowohl bei hellen als auch bei dunkelhäutigen Menschen können die dieselben Symptome auftreten, jedoch unterschiedlich aussehen. In Lehrbüchern ist dunkle beziehungsweise schwarze Haut kaum ein Thema. Fotos, die die Auswirkung von Hauterkrankungen bei dunkelhäutigen Menschen zeigen, gibt es kaum. Die Gefahr von Fehldiagnosen ist hoch.

Beunruhigend ist der falsche Blick auf schwarze Haut, denn Studien beschäftigen sich ausschließlich mit Erkrankungen wie Tumoren, Leberflecken und Melanomen auf heller Haut. Hautveränderungen auf dunkler beziehungsweise schwarzer Haut lassen sich schwerer erkennen und sind aufgrund des natürlichen UV-Schutzes auch sehr viel seltener als bei Menschen mit heller Haut. Ferner haben viele Menschen mit dunkler Hautfarbe aufgrund der sozialen Verhältnisse häufig unzureichenden Zugang zum Gesundheitssystem. Die Folge ist, sie fallen durch das medizinische Raster und ihre Hautveränderungen werden nicht fotografiert.

Ein gutes Beispiel für diese Fehlentwicklung ist die Google-Gesundheits-App, die dunkle Hauttypen kaum berücksichtigt. Die Begründung von Google lautet, die gesamte Dermatologie habe ein Problem mit der Verfügbarkeit von Daten von Menschen mit dunkler beziehungsweise schwarzer Hautfarbe. Nur etwa 3,5 Prozent der zugrundeliegenden Bilder zeigten Bilder von Patienten der Fitzpatrick-Klassifikationen V und VI, die dunkle bis schwarze Haut umfassen. Die Hautklassifikation I bis VI nach UV-Empfindlichkeit geht auf den Dermatologen Dr. Thomas Fitzpatrick zurück, der sich 1975 mit der Typisierung der menschlichen Haut beschäftigte.

Während dunkelhäutige Menschen aufgrund des natürlichen UV-Schutzes weniger unter bösartigen Melanomen und Sonnenbrand leiden, neigen sie jedoch stärker unter Entzündungen und bestimmten Arten von Hautverletzungen wie Keloide. Dabei handelt es sich um überschießende, manchmal stark juckende Narben. Je dunkler die Haut, desto häufiger besteht die Gefahr einer Keloidbildung. Diese Beschwerden können Depigmentierung, also hellere Hautstellen, nach sich ziehen. Das Problem der Depigmentierung besteht auch bei Akne, einer Hauterkrankung, von der Dunkelhäutige häufiger betroffen sind als Menschen mit heller Haut. Die deutsche Dermatologin und Woman of Colour Ephsona Shencoru hat dieses Problem erkannt und betreibt den Blog https://www.thequestionnaire-official.com/lessons1, um über den dunklen Hauttypen aufzuklären.

Bei entsprechender medizinischer Erforschung sind Hauterkrankungen wie Akne, Entzündungsprozesse und Melanome meistens sehr gut zu behandeln. Anders sieht die Situation jedoch für Menschen mit dunkler bis schwarzer Haut aus, da sie in der Dermatologie unterrepräsentiert sind. Studien befassen sich überwiegend mit den Hauterkrankungen hellhäutiger Menschen, Fotodokumentationen von Hautveränderungen auf dunkler oder schwarzer Haut gibt es kaum. Daher ist es für Dunkelhäutige schwer, Dermatologen zu finden, die die Bedürfnisse ihrer Haut kennen, Veränderungen beziehungsweise Erkrankungen richtig diagnostizieren und behandeln.

Dunkelhäutige Menschen sind zwar seltener von bösartigen Melanomen und Hyperpigmentierung betroffen, wenn diese Hauterkrankung jedoch auftritt, ist die Sterblichkeitsrate deutlich höher als bei hellhäutigen Menschen, da entsprechende Studien und Fotodokumentationen, die auch Orientierung betreffend eine erste Selbsteinschätzung geben können, fehlen. Die Dermatologin Jenna Lester hat dieses Problem ebenfalls erkannt und hat als Pionierin eine "Skin of Color" Dermatology clinic eröffnet.


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